Politik ohne den Dalai Lama? Mann der Emotionen

Sonntag, 10.04.2016, 21:11 Uhr | Kategorie(n): News Allgemein, special

von Nina Belz

Eigentlich hat der Dalai Lama sich aus dem politischen Geschäft zurückgezogen. Doch noch immer kann kein Tibeter die Chinesen derart verärgern wie er. Das macht es für seinen Nachfolger nicht leicht.

Er ist nicht grossgewachsen und dennoch eine Erscheinung. Sein Lachen ist herzlich und angesichts seiner 80 Jahre fast ein bisschen kindlich. Aber wenn er spricht, so ist jeder Satz überlegt und strukturiert. Er bringt mit seiner Gegenwart Hallen voller Menschen zum Verstummen, manche fallen in Ekstase, manche weinen. Andere aber, insbesondere chinesische Offizielle, bringt er in Rage. Und doch wirkt es nicht übermässig bescheiden, wie sich der Dalai Lama vorstellt, auf einem steifen Stuhl in einem Hotelzimmer sitzend: als einer von sieben Milliarden Menschen.

Eigentlich hat er ja einen Schritt zurück gemacht, vor fünf Jahren, als er ziemlich überraschend ankündigte, sich aus der Politik zurückzuziehen und die Geschäfte fortan einem gewählten Regierungschef zu überlassen. Die Entscheidung hatte durchaus historische Tragweite: Schliesslich hatte die Institution des Dalai Lama seit dem 16. Jahrhundert überlebt. Seit 2011 versucht der Jurist Lobsang Sangay als Regierungschef dem Anliegen der Tibeter für mehr Autonomie Gehör zu verschaffen – eine Aufgabe, die mit dem wachsenden Gewicht Chinas auf dem internationalen Parkett nicht leichter geworden ist.

Es ist zudem noch immer der Dalai Lama, der den Chinesen ein Dorn im Auge ist, wo er nur hinkommt. Auch neulich in Genf, als er auf Einladung der Vertretungen Kanadas und Amerikas zu einem Podium geladen war, um mit zwei anderen Nobelpreisträgern über die Rolle der Zivilgesellschaft zu sprechen. Chinesische Diplomaten hatten bis zuletzt zu verhindern versucht, dass der tibetische Mönch an der Diskussion teilnimmt. Der Auftritt des «Separatisten» verletze die Souveränität Chinas, argumentierten sie. Dafür hat der Dalai Lama nur sein spitzbübisches Lachen übrig: Die Reaktion sei sehr normal, nichts Besonderes, sagt er. «Wo mein Name fällt, da ist Protest.»

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