Bloggerin Woeser zufolge beträgt die Zahl der Selbstverbrennungen siebenundfünfzig

Donnerstag, 18.10.2012, 16:16 Uhr | Kategorie(n): News Allgemein, Widerstand in Tibet

Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von Tibetern, die sich in dem von China beherrschten Tibet selbst verbrannten, beträgt zum 17. Oktober tatsächlich 57 und nicht 55, wie allgemein angegeben wird, wenn man den Beitrag der tibetischen Blog-Aktivistin Tsering Woeser vom 1. August heranzieht, der inzwischen von High Peaks Pure Earth ins Englische übersetzt wurde (1).
Unberücksichtigt blieb bisher die offensichtliche Selbstverbrennung von Thubten Nyandak Rinpoche (auch als Athub bekannt), dem Rinpoche des Klosters Dragkar in der Gemeinde Lhagang, Bezirk Dartsedo (chin. Kangding), Provinz Sichuan, und seiner Nichte, der Nonne Ani Atse, am 6. April dieses Jahres. Diese Opfertode fehlen auf der offiziellen Liste der tibetischen Selbstverbrennungen, weil China die Leute, die die Wahrheit kennen, zum Schweigen gebracht hat, und es so darstellt, als seien die beiden bei einem Brandunfall ums Leben gekommen.
Woeser zufolge opferten der 45jährige Rinpoche und seine 23jährige Nichte Atse ihr Leben, nachdem sie Butterlämpchen entzündet und für all diejenigen, die sich selbst verbrannten, gebetet hatten. Radio Free Asia berichtete damals, der Rinpoche habe Freunde und Verwandte gebeten, ihm so viel Butter wie möglich zu bringen, weil er ein besonderes Opferritual für diejenigen durchführen wolle, die sich selbst verbrannt hatten (2).
Wie sich später herausstellte, ereignete sich der Vorfall in einem einfachen, an einem Abhang gelegenen Holzhaus im tibetischen Stil mit drei Zimmern. Nur ein Drittel des Hauses weist angekohlte Holzbalken auf, und – was jedem Menschen mit Verstand auffällt – hätte es wirklich einen Feuerunfall gegeben, so hätte doch jeder Bewohner des Hauses leicht nach draußen fliehen können.
Woeser führt weiter aus, daß am 4. Juli einige Fotos von Thubten Nyandak Rinpoche und Ani Atse auf der Seite Sina Weibo erschienen, die Tibeter eingestellt hatten. Sie schrieben dazu: Nachdem die beiden sich selbst verbrannten, hätten chinesische Arbeitsbrigaden und die in der Gegend stationierte Militärpolizei alles getan, um die Nachricht über den Vorfall zu unterdrücken: Sie erfanden einfach die Geschichte über den Hausbrand. Sie drohten den dort lebenden tibetischen Mönchen und der Allgemeinheit damit, daß ihr Kloster, ihr buddhistisches Institut und die Grundschule geschlossen würden, sollten sie die Tatsachen enthüllen. Der Klosterverwaltungsrat mußte sich daher fügen und die erfundene Geschichte weitergeben.
Woeser fügte hinzu, daß die Verwandten von Rinpoche und Ani Atse, die alle auf dem Lande lebende Nomaden sind, sich aus Angst zum Schweigen verpflichtet haben und die RMB 10.000 in bar und ein paar Reissäcke von den Offiziellen annahmen.
Nachdem die Geschichte nun in allen Einzelheiten von Radio Free Asia berichtet wurde, sei die Wahrheit ans Licht gekommen, allerdings mit einem großen Risiko für die Tibeter dort, meinte Woeser. Daher sollten nun die Namen der zwei Verstorbenen zu der Liste der sich selbst verbrannt habenden tibetischen Helden hinzugefügt werden.
Der Rinpoche hatte einst die Stellung des Abts im Dzogchen Kloster inne, und war zuletzt Abt des örtlichen tibetisch-buddhistischen Instituts von Lhagang. Atse war eine Nonne im Tibetisch-Buddhistischen Institut Serta im Bezirk Serta, Provinz Sichuan. Sie kommt ursprünglich aus dem Dorf Longguyi in der Gemeinde Lhagang, Bezirk Dartsedo.

(1) 10 October 2012, „Why Does the Number of Tibetan Self-Immolators Vary?” http://highpeakspureearth.com/2012/why-does-the-number-of-tibetan-self-immolators-vary-by-woeser/
(2) 6. Juli 2012 „Berichte aus Tibet werfen Licht auf den ‚Hausbrand’ in Dragkar vom Mai“, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2012/ThuptenRinpoche-Niece_6.7.html

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Oppenheimer
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München
Bei den Übersetzungen handelt es sich um nicht autorisierte.
Tibetan Review, www.tibetanreview.net
18. Oktober 2012

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