Noch ein tibetischer Intellektueller festgenommen
Donnerstag, 26.08.2010, 19:08 Uhr | Kategorien: MenschenrechteKalsang Tsultrim, der vor einem Jahr ein vielbeachtetes Video (1) herstellte, in dem er die internationale Gemeinschaft aufrief, zugunsten des vom Untergang bedrohten tibetischen Volkes aktiv zu werden, ist am 7. Juli 2010 im Bezirk Dzoege, Provinz Sichuan, festgenommen worden. Trotz ihrer Nachfragen bekamen seine Angehörigen keine Auskunft von den Behörden über die Gründe für seine Verhaftung.

Kalsang Tsultrim
Doch die Festnahme kommt nicht unerwartet. Kalsang, der besser unter seinem Autorennamen Gyitsang Takmig bekannt ist, wanderte seit mindestens einem Jahr von einem Ort zum anderen, um sich vor den Behörden zu verstecken, denn in deren Augen ist die Herstellung des Videos ein schweres politisches Vergehen.
Seine Angehörigen vermuten, daß seine Festnahme in Zusammenhang mit seinen aufrüttelnden Worten über die Situation in Tibet und den Umgang des Staates mit Einzelpersonen steht. Er verteilte 2.500 Kopien seines Videos, in dem er Ausführungen über die tibetische Geschichte macht und die derzeitigen Wünsche, Sehnsüchte, Sorgen und Träume des tibetischen Volkes beschreibt (2). Außerdem redet er in dem einstündigen Video, das er am 18. Juli 2009 aufnahm, von seiner großen Sorge um das Überleben der tibetischen Religion und Kultur, dem harten Vorgehen der Behörden im vergangenen Jahr und den allgemeinen Menschenrechtsverletzungen durch die Behörden.
Kalsang wollte sein Video so weit wie möglich in Tibet verbreiten, „um in erster Linie das ungebildete und allgemeine Publikum“ aufzuklären über die „wahre Geschichte des tibetischen Freiheitskampfes, die Forderung des Dalai Lama nach echter Autonomie und den Mittleren Weg sowie über die die Menschenrechtssituation in Tibet“. Er wollte der „täglichen Dosis an Regierungspropaganda“ etwas entgegenhalten.
Kalsang, der sich in dem Video als Gyitsang Takmig bezeichnet, ist ein Mönch des Klosters Gyitsang Gaden Choekhorling im Bezirk Sangchu (chin. Xiahe), TAP Kanlho (chin. Gannan), Provinz Gansu.
Es heißt, er sei in seiner Gegend ziemlich bekannt wegen seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Er schrieb u.a. das Buch Miyul la phulway jampa (Dem Menschenreich dargebrachte Liebe), das von den Sorgen und Nöten des tibetischen Volkes handelt.
Kalsangs Festnahme fügt sich gut ein in das gegenwärtige Muster der Verfolgung tibetischer Intellektueller, wie Künstler, Schriftsteller, Blogger und anderer Kulturschaffender, durch den Staat. Was für gewöhnlich als die Wahrnehmung der Freiheit der Meinungsäußerung gilt, wird von der chinesischen Regierung als politisches Fehlverhalten angesehen, das nur allzu oft mit der Verhaftung endet.
(1) “Videobotschaft von Kalsang Tsultrim an die freie Welt: Ruf nach der Rückkehr des Dalai Lama und dem Ende der Repression“
(2) Das Video in tibetischer Sprache gibt es unter www.tibetonline.tv/videos/71/appeal-about-the-plight-of-tibetans
Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD), www.tchrd.org, 23. August 2010
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte – IGFM)
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