Schüler und Lehrer einer Mittelschule in Machu drangsaliert: Schüler verschwunden, Lehrer müssen Strafe zahlen
Donnerstag, 03.06.2010, 12:57 Uhr | Kategorien: Menschenrechte, VideosDie chinesische Regierung hat kürzlich zahlreiche Offizielle in den Bezirk Machu, TAP Kanlho, Provinz Gansu, wo es kürzlich zu Schülerprotesten gekommen war, geschickt, um sicherzustellen, daß der Unterricht gemäß den politischen Richtlinien der Regierung und ihrer Propaganda erfolgt. Dies wurde von Dolkar Kyab, einem tibetischen Mitarbeiter des Norbulingka-Instituts bei Dharamsala, mitgeteilt.
Am 14. März 2010 veranstalteten etwa 25 Mittelschüler, die sich als die „Vereinigung zur Förderung der tibetischen Sprache“ bezeichneten, eine Protestaktion für die Unabhängigkeit Tibets. Bald schlossen sich etwa 500 Ortsansässige der spontanen Demonstration an, die jedoch sehr schnell durch das Einschreiten der Behörden beendet wurde. Diese nahmen zwanzig der jungen Demonstranten fest (1).
Die Behörden haben neuerdings das Anbringen von Bildern des 10. Panchen Lama, von Gendun Choephel (2) und Dhondup Gyal (3) in den Klassenzimmern verboten. Die Schüler dürfen keine Gebetsketten mehr bei sich tragen und nicht mehr beten, Bücher und andere Gegenstände religiösen Inhalts wurden ebenfalls verboten.
Die Anführer der Demonstration, der 17jährige Tsering Dhondup und Thupten Nyima wurden fünf Tage lang in Gewahrsam gehalten und gefoltert. Ihre Peiniger hängten sie an der Decke auf und traktierten sie mit elektrischen Schlagstöcken. Während dieser fünf Tage bekamen die Schüler überhaupt nichts zu essen. Danach wurden sie von der Schule verwiesen, aber durften auch nicht nach Hause zurückkehren. Die Eltern der beiden Schüler können ihre Söhne nicht besuchen, sie dürfen ihnen nur einmal wöchentlich ein paar Nahrungsmittel zukommen lassen.
Die chinesischen Behörden warfen den Lehrern der Tibetischen Mittelschule von Machu vor, daß sie nicht bestimmt genug in ihren Aussagen seien und beschuldigten einige, die Studenten willentlich zu dem politischen Aktivismus hingeführt zu haben (4). Insgesamt 21 Lehrer wurden mit Geldstrafen belegt, darunter auch Lobsang Rabgyal und Pema Dorjee aus der Provinz Qinghai, die ihr gesamtes Gehalt von fünf Jahren an den Staat zurückzahlen mußten.
(1) 15. März 2010: “Tibetische Schüler in Machu protestieren trotz scharfer Sicherheitsmaßnahmen”
(2) Gendun Choephel (1903 – 1951) war ein tibetischer Künstler, Gelehrter, Historiker und Autor.
(3) Dhondup Gyal wird als der Begründer der modernen tibetischen Dichtkunst betrachtet. Er war ein vollendeter Gelehrter, Autor, Dichter und Patriot und einer der einflußreichsten jungen Schriftsteller der letzten Jahre in Tibet.1985 beging er mit nur 32 Jahren Selbstmord.
(4) 6. April 2010: “Tibetische Schüler im Bezirk Machu protestierten gegen die Suspendierung von drei Schulleitern”
Wie von ISTN (International Tibet Support Group Network) mitgeteilt, wurde Dhondup Wangchen, der 2008 den Film “Jigdrel: Leaving Fear Behind” drehte und dafür Ende 2009 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde, in das Laogai Xichuan in der Provinz Qinghai verbracht. ITSN startete eine neue an Qiang Wei, den Parteisekretär von Qinghai, gerichtete Online-Petition. Obwohl Dhondup Wangchens Gesundheitszustand sehr schlecht ist, muß er in dem Laogai Zwangsarbeit leisten. Wir bitten alle Leser um Unterzeichnung der Urgent Action.
Weiterhin erfuhr ITSN, daß sich der Gesundheitszustand von Tenzin Delek Rinpoche stetig verschlechtert und seine Angehörigen unermüdlich um seine Entlassung ersuchen. Um der internationalen Unterstützung für Tenzin Deleks Fall Nachdruck zu verleihen, bitten wir die Online-Petition zu unterzeichnen. ITSN möchte mindestens 40.000 Unterschriften von Personen außerhalb Tibets erhalten.
The Tibet Post International, www.tibetpost.net, 22. Mai 2010
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte – IGFM)
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