Zahl der Todesopfer des schweren Erdbebens in Osttibet auf 617 gestiegen, Dringender Spendenaufruf der Deutschen Tibethilfe

Donnerstag, 15.04.2010, 18:35 Uhr | Kategorien: Appelle, China allgemein, News Allgemein

Die Erde hat sich bewegt. Bewegen Sie sich jetzt!

Bitte spenden Sie für die Erdbebenopfer in Tibet!

Damit eine Notgrundversorgung möglich ist, bittet die Deutsche Tibethilfe e.V. Hamburg um Ihre Spende.

Wichtig: Die Gelder werden über die Tibet Foundation London durch einen tibetischen Repräsentanten vor Ort an Tibeter weiter geleitet.

Spenden-Konto:

Deutschen Tibethilfe e.V. Hamburg

Hamburger Sparkasse, Kontonummer 1226 120 044BLZ 200 505 50

Stichwort: “Erdbeben-Yushu”.

Grafik: rfa.org

Grafik: rfa.org

Das verheerende Erdbeben gestern morgen um 7.49 Uhr (23.49 GMT) im Bezirk Yushu (Jyekundo oder Kyegudo in Tibetisch) in der nordwest-chinesischen Provinz Qinghai hat wohl ein größeres Ausmaß als bis jetzt bekannt. Das Gebiet in 4.000 Meter Höhe wird zu 90% von ethnischen Tibetern bewohnt und es ist eines der ärmsten Gebiete im Lande mit vollkommen unzureichender Infrastruktur.

Der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge stieg die Zahl der Todesopfer bei dem heftigen Erdbeben, das gestern Kyegudo in Nordost-Tibet erschütterte, auf 617. 9.110 Personen sind verletzt, 313 werden vermißt. 900 seien aus den Trümmern gezogen worden. Vermutlich kamen jedoch viel mehr Menschen ums Leben, Students for Free Tibet schätzt deren Zahl auf 4.000.

Rettungsarbeiten werden durch das gebirgige Terrain erschwert, durch Minustemperaturen, gefrorenes Wasser, die große Höhenlage und die dünne Luft. Straßen wurden durch Erdrutsche verschüttet. Den Krankenhäusern fehlt es an medizinischen Einrichtungen und Ärzten.

85% der Häuser in der Gegend, die zumeist aus Lehm und Holz gebaut sind, stürzten ein, so daß die Stadt Kyegudo einem riesigen Schutthaufen gleicht.

Auszüge aus der gestrigen Meldung von Radio Free Asia, www.rfa.org

„Wir sind obdachlos, wir sitzen auf dem Gras im Freien, wir haben weder etwas zu essen noch zu trinken“, sagte ein dortiger Bewohner. Der Mädchen-Schlafsaal einer Schule sei eingestürzt und die unter den Trümmern Begrabenen hätten wenig Chance auf Überleben.

Ein Rettungsarbeiter bestätigte, daß der Schaden an den Gebäuden enorm ist. „Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Viele Wohnhäuser stürzten ein. Die Zahl der Opfer kenne ich nicht, aber man sieht Tote unter jedem eingestürzten Gebäude“, sagte er über sein Mobiltelefon. Er bestätigte, daß auch Schulen einstürzten mit den Schülern in den Gebäuden, so wie es bei dem verheerenden Erdbeben in Sichuan am 12. Mai 2008 geschah.

Dortige Bewohner sagten, sie hätten die ersten Erdstöße am Mittwoch früh gespürt: “Um 5.20 Uhr Ortszeit zitterte die Erde, das war eine kleine Erschütterung, aber um 8.00 Uhr gab es dann ein heftiges Erdbeben, das fast alle Gebäude zerstörte. Diejenigen, die die Erschütterung um 5.20 Uhr spürten, rannten aus ihren Häusern, aber andere, die nichts merkten, blieben in ihren Häusern, die dann zusammenkrachten“.

Ein Tibeter aus Jiegu (Kyegudo), der Hauptstadt des Bezirks, sagte, er habe im Schlaf ein leichtes Zittern gemerkt, aber dem keine große Aufmerksamkeit geschenkt, weil es schon öfters solche kleinen Erschütterungen gab. „Dann gab es noch einen leichten Erdstoß, und viele wachten auf und rannten barfuß aus den Häusern. Da sahen wir vor uns lauter eingestürzte Mauern und Häuser. Wer konnte, rannte in offenes Gelände in die Berge.

„Eine Menge Leute wurden getötet oder verletzt. In unserer Gegend kamen viele Kinder um. Das Schlimmste ist, daß der Trangul-Staudamm auch betroffen ist. Die Leute fürchten, daß der Wasserspeicher bersten und ihre Stadt auslöschen könnte“.

Ein dortiger Beamter sagte: „Häuser und Tempel kollabierten, die Erdgas- und Stromversorgung wurde unterbrochen. Viele Straßen erlitten Schäden oder sind durch Erdrutsche blockiert“. „Das größte Problem ist jetzt ist der Mangel an Zelten, an medizinischer Ausrüstung, Arzneimitteln und Sanitätern“. „Über 85% der Häuser in Kyegu, die alle aus Lehm und Holz gebaut sind, kollabierten“.

Laut Xinhua gruben Hunderte von dort stationierten Soldaten der PLA durch den Schutt von Häusern, Schulen und anderen Gebäuden in der Hoffnung, Überlebende bergen zu können. Ein Bewohner von Yushu erklärte jedoch am Telefon, die Hilfe käme nur zögerlich. “Wir konnten nicht sofort nach dem Beben die Körper unserer Angehörigen aus dem Schutt ziehen. Wir wohnen ganz in der Nähe eines Militärcamps und flehten um Hilfe, aber sie kamen nicht rechtzeitig.

„Sie sagten, ohne Anweisung von übergeordneten Stellen könnte die Einheit nicht mit den Rettungsarbeiten beginnen. Als dann die Opfer aus den Trümmern gezogen wurden, waren sie schon tot.“ Auch ein anderer Anrufer aus Kyegu sagte, die Bewohner hätten viel zu lange auf die Hilfe der Behörden warten müssen.

„Die von dem Erdbeben Betroffenen klagten, daß keine Rettungsteams zur Verfügung stünden, obwohl die Regierung sagte, sie würde Soldaten schicken“. “Etwa 300 Mönche aus verschiedenen Klöstern in Tibet machten sich eilig auf den Weg, um Hilfe zu leisten“, fügte der Anrufer hinzu. Über Twitter gelangten auch Berichte aus China nach außen, daß Reporter daran gehindert würden, über die Katastrophe zu berichten. Wang Yijun, ein Berichterstatter bei der Southern TV Station schrieb, dortige Reporter hätten Anweisung erhalten, nicht in das Erbebengebiet zu reisen.

„Es scheint plötzlich, daß viele lokale TV-Berichterstatter Schwierigkeiten haben, nach Yushu zu gelangen. Den Grund dafür möchte ich nicht nennen“, teilte Wang über Twitter mit. Der Chefredakteur des Pekinger Büros von Hunan Satellite TV sagte, eine ganze Reihe von Reportern seien angewiesen worden, Yushu sofort zu verlassen und in ihre Büros zurückzukehren.

„Einem Reporter der Chongqing Morning Post wurde von den zuständigen Behörden befohlen, sofort umzukehren, obwohl er sich schon auf dem Weg nach Yushu befand.“, schrieb der Chefredakteur auf seinem Twitter-Blog. „Chinas Propaganda-Ministerium hat soeben bekanntgegeben, daß es Reportern aus anderen Provinzen verboten sei, nach Yushu zu reisen. Die Shanghai Morning Post und Jiefanj Daily erhielten schon diesbezügliche Instruktionen“.

DIIR, www.tibet.net, und Radio Free Asia, www.rfa.org, 15. April 2010

Übersetzung: Adelheid Dönges 8Internationale Gesellschaft für Menschenrechte – IGFM)

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