Überlebender eines Massakers in tibetischem Kloster erreicht das Exil

Sonntag, 29.11.2009, 09:32 Uhr | Kategorien: Menschenrechte

Chinesische Sicherheitskräfte überfielen zusammen mit den Kadern für die „patriotische Erziehung“ die Wohnquartiere der Mönche.

Tongkor (Kardze)

Tongkor (Kardze)

Der 18jährige Mönch Dorjee Rinchen, der die blutige Niederschlagung der friedlichen Demonstration der Tibeter im Kloster Tongkor (Kardze) letztes Jahr mit knapper Not überlebte, berichtete nach seiner Flucht ins Exil dem TCHRD über sein schreckliches Erleben.

Am 3. April 2008 schossen chinesische Sicherheitskräfte in großer Zahl wahllos in die Menge friedlich protestierender Tibeter*.

Am 2. April 2008 war es zu einer Unwillensbekundung im Kloster Tongkor (chin. Donggu) in der Gemeinde Zithang, Bezirk Kardze, TAP Kardze, Provinz Sichuan gekommen, nachdem dort ein offizielles „Arbeitsteam“ zur Durchführung der „patriotischen Erziehung“ eingetroffen war. Bei dieser Schulung müssen die Mönche sich vom Dalai Lama distanzieren, Widerstand gegen die „feindlichen separatistischen Kräfte“ geloben und der kommunistischen Partei durch ihre Unterschrift auf Dokumenten Loyalität und ihr Einverständnis mit ihrer Politik in Tibet bekunden.

Am 3. April 2008 kam ein riesiges Kontinent von Sicherheitskräften der People’s Armed Police (PAP) und der Public Security Bureau (PSB) in etwa 100 Militärlastwagen in die Gemeinde Zithang, wo sich das Kloster Tongkor befindet.

Die chinesischen Sicherheitskräfte überfielen zusammen mit den Kadern für die „patriotische Erziehung“ die Wohnquartiere der Mönche, verunstalteten Bilder des Dalai Lama, von Tongkor Shabdrung Rinpoche und des Panchen Lama. Die aufgebrachten Mönche verweigerten daraufhin die Teilnahme an der „patriotischen Umerziehung“. Zu einer allgemeinen Protestaktion kam es, nachdem ein älterer Mönch und ein Laie festgenommenen wurden, weil sie sich gegen die „patriotische Erziehung“ gewehrt hatten und nicht zu dieser erschienen waren.

Am Abend desselben Tages marschierten dann Hunderte von Mönchen, denen sich etliche dortige Tibeter anschlossen, zur Gemeindeverwaltung und forderten die sofortige Freilassung von Geshe Tsultrim Tenzin und des Laien Tsultrim Phuntsok. Die Demonstranten zogen wieder ab, nachdem die Beamten ihnen zugesichert hatten, daß die zwei festgenommenen Tibeter um 20 Uhr wieder freigelassen würden. Als die Behörden ihr Versprechen jedoch nicht einlösten, nahmen die Tibeter ihren Protestmarsch wieder auf, doch unterwegs wurden sie von zahlreichen PAP und PSB-Kräften aufgehalten. Es kam zu einem Handgemenge. Nun schossen die chinesischen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Menge der protestierenden Tibeter. Mindestens 14 Tibeter fanden dabei den Tod und Unzählige wurden schwer verletzt.

Die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte, daß es einen Zwischenfall gegeben hätte, beschrieb ihn jedoch als „Krawall“ und sprach nur von einem verletzten Regierungsbeamten, während sie die Todesopfer, Verhafteten und Verletzten unter den Tibetern einfach überging.

Einer der Überlegenden, ein Augenzeuge des Massakers von Tongkor, der schwere Schußwunden erlitten hatte, traf kürzlich in Dharamsala ein, wo er am 27. November 2009 dem TCHRD berichtete.

Das TCHRD glaubt, daß es Hunderte von Tibetern gibt, die über ähnliche entsetzliche Menschenrechtsverletzungen berichten könnten, wie Dorjee Rinchen aus Tongkor sie erlebte. Aber sie sind in Tibet gefangen. Angesichts dieser Umstände appelliert das TCHRD an den UN-Menschenrechtsrat (UNHRC), die internationale Gemeinschaft und die wohlmeinenden Bürger eines jeden Landes, die chinesische Regierung aufzufordern, daß sie diese Tibeter freiläßt, den Verletzten die notwendige medizinische Behandlung zukommen läßt und die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen Volkes respektiert.

*Siehe: 4. April 2008: “Chinesische paramilitärische Einheiten schießen auf tibetische Demonstranten – Zahl der Toten unbekannt

5. April 2008: “Mindestens acht Tibeter im Kloster Tongkor in Kardze erschossen

IGFM München

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