Drei ehemalige politische Gefangene wegen „Verrats von Staatsgeheimnissen“ zu extrem langen Strafen verurteilt

Donnerstag, 17.09.2009, 13:19 Uhr | Kategorien: Menschenrechte

Offiziellen tibetischen Medien zufolge wurden drei ehemalige politische Gefangene vom Mittleren Volksgericht von Lhasa erneut zu sehr harten Strafen verurteilt, weil sie angeblich geheime Informationen an Kontakte außerhalb Tibets geliefert und damit die Staatssicherheit gefährdet hätten. Sie waren nicht in die Protestaktionen vom vergangenen Jahr involviert.

Wangdu, Phuntsok Dorjee und Tsewang Dorjee, deren Urteile von acht Jahren bis lebenslangem Freiheitsentzug reichen, wohnten und arbeiteten seit geraumer Zeit in Lhasa. Nach den Demonstrationen vom März 2008 wurden sie ohne Haftbefehl von der Geheimpolizei erneut in ihren Wohnungen festgenommen und im Oktober 2008 dann verurteilt.

Der 39jährige Wangdu, ein ehemaliger Mönch des Jokhang-Tempels in Lhasa, wurde erstmals am 13. März 1989 verhaftet und daraufhin zu drei Jahren in der Haftanstalt Sangyib verurteilt, weil er an der friedlichen Demonstration vom 8. März 1989 teilgenommen hatte. Zusammen mit anderen Gefängnisinsassen protestierte er 1991 anläßlich des 40. Jahrestags der „Befreiung“ der Stadt Chamdo durch die Chinesen. Daraufhin wurde sein Urteil um vier Jahre verlängert und er kam ins Drapchi Gefängnis. Nach Verbüßung seiner Strafe kam Wangdu 1997 frei. Seitdem bis zu seiner neuerlichen Verhaftung am 14. März 2008 war er bei einer NGO in Lhasa tätig, die Aufklärungsarbeit über HIV/AIDS leistet. Die Behörden verdächtigten ihn, regierungsfeindliche Informationen an Kontakte im Ausland weiterzugeben. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und die bürgerlichen Rechte wurden ihm ebenfalls auf Lebenszeit aberkannt. Bis heute weiß seine Familie nicht, wo Wangdu inhaftiert ist, weshalb sie ihn nicht einmal besuchen kann.

Der 40jährige Phuntsok Dorjee, ein Angestellter des Gangjong-Hotels in Lhasa, wurde zuerst 1989 wegen politischer Aktivitäten verhaftet und zu zehn Jahren Haft im Drapchi-Gefängnis verurteilt. Wegen seiner guten Arbeit als Koch im Gefängnis wurde seien Haftzeit um zwei Jahre verkürzt. Am 10. März 2008 wurde Dorjee erneut von der Geheimpolizei in seiner Wohnung in Lhasa unter ähnlichen Anschuldigungen wie Wangdu verhaftet. Das Mittlere Volksgericht verurteilte ihn zu neun Jahren Gefängnis und entzog ihm die bürgerlichen Rechte für fünf Jahre. Da sein Haftort unbekannt ist, können seine Angehörigen ihn nicht besuchen.

Der 40jährige Tsewang Dorjee, der aus dem Bezirk Pashoe in der Präfektur Chamdo stammt, ist ein Künstler und hervorragender Thangka-Maler. Wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration 1989 hatte er drei Jahre im Gefängnis Sangyib verbracht. Er wohnte seit einigen Jahren in Lhasa im Stadtteil Tsemonling, wo er im März letzten Jahres erneut festgenommen wurde. Er verbüßt nun eine Haftstrafe von acht Jahren wegen derselben Anklagen wie Wangdu und Phuntsok. Auch seine Angehörigen wissen nicht, in welchem Gefängnis er sich befindet.

Quelle: The Tibet Post International

Übersetzung: IGFM München

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