Selbstmord eines Mönches durch Sprung in den Gelben Fluß – 93 Tibeter in Golog festgenommen
Dienstag, 24.03.2009, 19:26 Uhr | Kategorien: Widerstand in TibetDie chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, daà die chinesischen Behörden am 21. März 95 Tibeter festnahmen, die demonstrierten, nachdem sich ein tibetischer Mönch durch einen Sprung in den Machu (Gelber FluÃ) das Leben genommen hatte.
Xinhua zufolge hätten die Behörden sechs Mönche verhaftet, während sich 89 bei der Polizeistation am Ort freiwillig gestellt hätten. Von den 95 Tibetern seien 93 Mönche und zwei Laien gewesen. Die Demonstranten hätten âPolizisten und Regierungspersonal angegriffenâ. Tashi Sangpos Leiche sei noch nicht gefunden worden.
Wie das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) aus diversen Quellen erfuhr, war es reine Verzweiflung und extreme Hoffnungslosigkeit, die den 28jährigen Mönch Tashi Sangpo aus der Gemeinde Gyulgho (chin. Lajong), Bezirk Machen, TAP Golog, Provinz Qinghai, dazu bewegten, in den Machu Fluà zu springen.
Den dem TCHRD zugegangenen Informationen zufolge wurde Tashi Sanpo seit dem 10. März 2009 in einer örtlichen Polizeistation festgehalten, nachdem Flugblätter politischen Inhalts und eine verbotene tibetische Nationalflagge in seinem Zimmer konfisziert worden waren. Am 21. März um etwa 15.00 Uhr holte er sich Erlaubnis zu einem Toilettengang (Toiletten befinden sich in Tibet meist auÃerhalb von Gebäuden). Er rannte dann zum nahegelegenen Machu und sprang hinein.
Kurze Zeit nach Tashi Sangpos Verzweiflungstat strömten mehrere Tausend Mönche und ortsansässige Tibeter zusammen und demonstrierten auf den StraÃen von Ragya, vor der Polizeistation und den Verwaltungsgebäuden, sie riefen Parolen wie âBod gyaloâ (Tibet sei Sieg) und weinten bitterlich. Einigen Quellen zufolge hätten sie auch âUnabhängigkeit für Tibetâ und âLange lebe der Dalai Lamaâ gerufen.
Das Kloster Ragya steht seit dem 10. März unter strenger Bewachung, als politische Schriften dort gefunden wurden und einige Mönche die chinesische Flagge vom Dach der Versammlungshalle herunterholten und statt ihrer eine tibetische Nationalflagge hissten.
Daraufhin wurden der Disziplinmeister des Klosters Ragya, Palden Gyatso, sowie vier weitere Mönche festgenommen. Die Lage im Kloster Ragya und den umliegenden Ortschaften ist sehr angespannt. Innerhalb kurzer Zeit trafen sieben Militärlastwagen voller Sicherheitskräften aus Xining, der Provinzhauptstadt von Qinghai, ein, um die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen.
Gegenwärtig sind die Tibeter in Tibet nicht in der Lage, auch nur die grundlegendsten Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben sind, wahrzunehmen. Das TCHRD ersucht daher dringend die internationale Gemeinschaft, sofort Schritte zu unternehmen, um die Würde des tibetischen Volkes zu schützen.
[Free Tibet, London, erhielt weitere Informationen von einem in London lebenden Mönch des Klosters Ragya, der Kontakte zu der Gegend hat: Augenzeugen, die gerade auf einer Brücke über den Machu standen, sahen, wie der Körper Tashi Sangpos von der reiÃenden Strömung des Flusses weggetrieben wurden und verloren ihn kurz danach auÃer Augen. Seine Leiche wurde bisher nicht gefunden. Der jüngere Bruder von Sangpo traf um etwa 16 Uhr vor der Polizeistation ein, bei der schon viele Menschen zusammengelaufen waren. Die Menge der Tibeter sei gröÃer gewesen als die Zahl der Sicherheitskräfte, die vorerst in der Polizeistation blieben. Die Demonstranten waren sehr aufgebracht, denn ihrer Ansicht nach war der Sprung in den Fluà der einzige Ausweg für Sangpo, um den fürchterlichen Schlägen und MiÃhandlungen zu entgehen, die ihm in der Haft verabreicht wurden. Viele glauben, daà er Selbstmord beging, obwohl nicht sicher ist, ob das wirklich Sangpos Absicht war, als er in den Fluà sprang.]
Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD)
www.tchrd.org, Pressemitteilung, 23. März 2009Ãbersetzung: Adelheid Dönges
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Ähnliche Artikel:
- 19. August 2009: Acht Tibeter in Golog zu Haftstrafen von zwei bis zu sieben Jahren verurteilt
16. März 2008: Protest im Kloster Kirti in der Tibetisch Autonomen Präfektur Ngaba, bis zu 30 Personen erschossen
14. März 2008: Schüsse auf Tausende von Tibetern, die in Amdo Labrang protestieren
31. Januar 2009: Tod eines jungen Tibeters durch Folter in Untersuchungshaft, weitere Proteste und Festnahmen in Kham
17. Juni 2011: Spannung in Kardze wächst: Zahlreiche Nonnen und Mönche wegen Protestaktionen festgenommen