Botschaft Seiner Heiligkeit des Dalai Lama an das tibetische Volk zum tibetischen Neujahr im Zeichen des Erd-Ochsen
Mittwoch, 25.02.2009, 20:50 Uhr | Kategorien: Appelle, Buddhismus, Menschenrechte, News AllgemeinNichtautorisierte Ãbersetzung
AnläÃlich des Erd-Ochsen-Neujahrs des 17. Rabjung-Zyklus im Tibetischen Königsjahr 2136* möchte ich allen Tibetern meine GrüÃe entbieten, sowohl denen in Tibet als auch denen, die auÃerhalb Tibets leben. Ich bete, dass Friede und Wohlstand herrschen und unsere gerechte Sache zu einer allmählichen Lösung gelangen möge.
Obwohl es keine alten oder neuen Phasen in der ständigen Umlaufbewegung der Planeten gibt, aus denen sich Tage, Nächte, Monate und Jahre ergeben, besteht in der ganzen Welt die Tradition, den Anfang eines Neuen Jahres nach Vollendung des vorhergehenden feierlich zu begehen. Ebenso haben auch wir im Schneeland Tibet die Tradition, das Neue Jahr im ersten Mondmonat mit ausgedehnten Festlichkeiten zu feiern, die sowohl spirituelle als auch weltliche Elemente enthalten. Im letzten Jahr wurden wir jedoch Zeuge, wie als Reaktion darauf, dass überall in Tibet die Menschen ihre Verbitterung über die Politik der chinesischen Behörden bekundeten, Hunderte von Tibetern ums Leben kamen und Tausende verhaftet und gefoltert wurden.
Da die Tibeter in Tibet unendliches Leid und unsägliche Schwierigkeiten zu ertragen hatten, ist das Neujahrsfest diesmal gewiss keine Zeit, in der wir wie üblich feiern und Frohsinn walten lassen sollten. Ich bewundere die entschlossene Haltung der Tibeter innerhalb und auÃerhalb Tibets, zur BegrüÃung des neuen Jahres auf festliche Aktivitäten zu verzichten. Ein jeder sollte diese Periode vielmehr nutzen, um von untugendhaftem Tun Abstand zu nehmen und sich positiven Handlungen zu widmen, um die Tugenden zu pflegen und Verdienste anzusammeln, damit all diejenigen, die ihr Leben um der Sache Tibets willen opferten, vor allem jene, die ihr Leben in den tragischen Ereignissen im vergangenen Jahr verloren, durch sukzessive Wiedergeburten in höheren Bereichen bald die Buddhaschaft verwirklichen mögen. Das Verdienst edler Handlungen sollte auch denjenigen zugute kommen, die gegenwärtig Leid erfahren, damit sie so bald wie möglich das Glück der Freiheit genieÃen mögen. Durch eine solche Ansammlung kollektiver Verdienste sollten wir uns alle um eine baldige Lösung für die gerechte Sache Tibets bemühen.
Wie vorauszusehen war, haben die Behörden in Tibet die Kampagne des Harten Durchgreifens wieder gestartet. In den meisten Städten in ganz Tibet herrscht eine ungewöhnlich hohe Militärpräsenz, überall sind viele bewaffnete Sicherheitskräfte und Truppen unterwegs. Allerorts müssen jene, die auch nur das geringste Anzeichen ihrer Sehnsüchte in der Ãffentlichkeit erkennen lassen, mit Festnahme und Folter rechnen. Besonders den Klöstern wurden drastische Restriktionen auferlegt, die patriotische Umerziehung ist wieder in vollem Schwunge und ausländische Touristen können Tibet nur in sehr beschränktem MaÃe besuchen.
In geradezu provokativer Weise ordnete die Regierung an, das Neujahrsfest nun erst recht zu feiern. Wenn wir alle diese Entwicklungen betrachten, wird deutlich, dass Absicht und Ziel der Behörden hinter diesen MaÃnahmen sind, die Tibeter einem solchen Grad an Grausamkeit und Schikanen auszusetzen, dass sie es nicht mehr aushalten können und sich veranlasst sehen, erneut zu demonstrieren. Sollte dies geschehen, gibt es den Behörden jeden Vorwand, in noch nie erlebter und unvorstellbar gewalttätiger Weise zuzuschlagen. Daher möchte ich eindringlich an das tibetische Volks appellieren, es möge sich in Geduld üben und nicht auf diese Provokationen reagieren, damit nicht das wertvolle Leben so vieler Tibeter vergeudet wird, und sie nicht Folter und Leid erfahren müssen.
Es versteht sich von selbst, welch groÃe Hochachtung ich für den Enthusiasmus, die Entschlossenheit und den Opfermut der Tibeter in Tibet empfinde. Es ist jedoch schwierig, durch das bloÃe Opfer seines Lebens wirklich etwas zu erreichen. In erster Linie haben wir uns unwiderruflich dem Pfad der Gewaltlosigkeit verpflichtet, und es ist wichtig, dass wir nicht von ihm abweichen.
Noch einmal bete ich, dass das tibetische Volk von Unterdrückung und Folter befreit werden und sich des Glücks der Freiheit erfreuen möge. Mögen alle Lebewesen allezeit glücklich sein!
Der Dalai Lama
25. Februar 2009
(was dem ersten Tag des ersten Monats des tibetischen Jahres des Erd-Ochsen entspricht)
* Anm. des Ãbs: Das tibetische Königsjahr ist die Anzahl der Jahre seit der Thronbesteigung des ersten tibetischen Königs Nyatri Tsenpo im Jahre 127 v. Chr. Es müssen daher 127 Jahre zu unserer Zeitrechnung hinzugerechnet werden, also 2009 + 127 = 2136. Durch die Verknüpfung von zwölf Tiernamen mit fünf Elementnamen ergibt sich ein 60 Jahre dauernder Rabjung genannter Zyklus. Wir befinden uns im 17. Zyklus des laufenden GroÃzyklus (60 x 60), der im Jahr 1027 unserer Zeitrechnung begonnen hat.
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Message of His Holiness the Dalai Lama to the Tibetan People on the Occasion of
the Earth-Ox Tibetan New Year
On the occasion of the Earth-Ox New Year of the 17th Rabjung cycle in the Tibetan Royal Year 2136, I would like to greet all Tibetans, both inside and outside of Tibet. I pray that there be peace and prosperity, and that our just cause may see gradual resolution.
Although there is no old or new phase in the continuous cycle of planetary movements, which results in the days, nights, months and years, there is a tradition throughout the world to observe the beginning of a new year upon the completion of the previous one. Likewise, in the snow land of Tibet, we have the tradition to observe the New Year in the first lunar month with elaborate celebrations incorporating both spiritual and temporal elements. However, last year in Tibet we witnessed hundreds of Tibetans losing their lives, and several thousands facing detention and torture, in response to the widespread display by Tibetans all over Tibet of their discontentment with the Chinese authorities’ policies.
Therefore, since they faced immense difficulties and sufferings, the occasion of this New Year is certainly not a period when we can have the usual celebrations and gaiety. I admire the determined move by Tibetans, inside and outside of Tibet, not to indulge in celebratory activities during this New Year. Instead, everyone should utilize this period in abandoning non-virtuous acts and engaging in positive actions, thereby cultivating virtuous merits so that all those who sacrificed their lives for the cause of Tibet, including those who lost their lives in the tragic events of the past year, may have quick realization of Buddhahood through successive rebirth in higher realms. The dedication should also go to those currently undergoing suffering so that they may immediately be able to enjoy the happiness of freedom. Through such an accumulation of collective merits we should all strive for an early solution to the just cause of Tibet.
Just as we had suspected, the strike-hard campaign has been re-launched in Tibet and there is a heavy presence of armed security and military forces in most of the cities all over Tibet. In all the places those who dare to come out even with a slight hint of their aspirations have to face torture and detention. In particular, special restrictions have been imposed in the monasteries, patriotic re-education has been launched, and restrictions have been imposed on the visit of foreign tourists. Provocative orders have been passed for special celebrations of the Tibetan New Year. Looking at all these developments it becomes clear that the intention and aim behind them are to subject the Tibetan people to such a level of cruelty and harassment that they will not be able to tolerate and thus be forced to remonstrate. When this happens the authorities can then indulge in unprecedented and unimaginable forceful clampdown. Therefore, I would like to make a strong appeal to the Tibetan people to exercise patience and not to give in to these provocations so that the precious lives of many Tibetans are not wasted, and they do not have to undergo torture and suffering.
It goes without saying how much admiration I have for the enthusiasm, determination, and sacrifice of the Tibetans in Tibet. However, it is difficult to achieve a meaningful outcome by sacrificing lives. Above all, the path of non-violence is our irrevocable commitment and it is important that there be no departure at all from this path.
Once again, I pray that the Tibetan people are freed from oppression and torture, and enjoy the happiness of freedom. May all sentient beings enjoy happiness at all times.
The Dalai Lama
February 25, 2009
(corresponding to first day of the first month in the Earth Ox Tibetan Year)
(Translated from the Tibetan original)
Department of Information & International Relations (DIIR)
Central Tibetan Administration
Dharamsala – 176215, H.P., India, www.tibet.net
24. Februar 2009Ãbersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
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